für die schönste Jahreszeit in ihrem Leben…
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Und jeden Tag Mann über Bord

Teil 2 meines Berichts über eine Segelwoche um die südöstliche Küste Mallorca’s

Teil 1 gibt es hier

Club Nautico in Rapita

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Am nächsten Tag verließen wir diesen hübschen Ort Porto Petro wieder und nahmen Kurs auf Cala d’Or. Auch hier machten wir zwischendurch eine Badepause in einer Bucht. Die Entfernung zwischen beiden Marinas ist nicht groß und so hatten wir auch wieder ausreichend Zeit für Manöverübungen. Wir segelten ein Stück in Richtung Portocolom, kreuzten und die beiden Prüflinge spielten die Situationen „Mann über Bord“ immer wieder durch. Mann wurde natürlich durch Boje ersetzt. Wende und Halse, Beidrehen oder Beiliegen (dass darüber Witze gemacht wurden, vesteht sich von selbst ;)), die Manöver wurden immer besser. Wir anderen bedienten die Winschen oder setzten die Boje ins Wasser und holten sie wieder raus. Meister in dieser Disziplin wurde unser Crewmitglied aus dem Westerwald. Dazwischen wurde viel gelacht, gesonnt, geschaut oder auch geschlafen.

Cala d’Or ist im Gegensatz zu Porto Petro viel mondäner und sehr elegant.

Cala-D'Or - elegant und stilvoll

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Schon die lange Einfahrt zum Liegeplatz präsentiert eine stattliche Reihe von großen und teuren Yachten. Durch die lange enge und etwas gewundene Einfahrt liegen die Boote hier sehr geschützt wie in Abrahams Schoß. Es erübrigt sich, zu sagen, dass auch hier die Duschen in einwandfreiem Zustand waren. Hier und in Porto Petro bekommt man für den Zugang zu den Duschen eine Art Scheckkarte, die das „Sesam-öffne-dich“ darstellen für die Nasszellen. Man zahlt eine Kaution von 20 Euro pro Karte. Bei einer Crew unserer Größenordnung ist es empfehlenswert, 2 Karten zu nehmen. Die Kaution erhält man zurück beim Ablegen bei einem der Marineros.

Cala d'Or - edler Yachthafen

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Das Restaurant der Wahl war hier Botavara. Wer Fisch liebt, wird hier bestens verwöhnt. Sehr empfehlenswert ist die Fischsuppe. Sie ist aber tatsächlich nur eine „Vorspeise“, nicht zu verwechseln mit Fischsuppen, die man z. B. an der französischen Küste wie in Marseille bekommt und eine komplette Mahlzeit darstellen. Hier war etwas Fisch dabei und äußerst köstlich im Geschmack – einfach wunderbar. Meine Dorade dann war ein Gedicht und auch die anderen Crewmitglieder waren sehr angetan von ihren lukullischen Köstlichkeiten, wie z. B. Muscheln oder andere Fischgerichte. Die Bedienung war überaus zuvorkommend und sehr freundlich. Sehr empfehlenswertes Lokal.

Nun, am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Sa Ràpita. Der Wind war sehr zurückhaltend und wir mussten einen Teil der Strecke unter Motor zurücklegen. Dazu kam eine starke Dünung aus Richtung Algerien, die unsere Mägen auf eine harte Probe stellte. Aber es ging alles gut und wir konnten dann auch noch die Segel setzen und einige Manöver fahren. Der Himmel war silbrig grau, das Meer ebenso und zu unser aller Freude ließen sich Delphine blicken und begleiteten uns ein kleines Stück.

Auffällig sind die vielen Wehrtürme auf den Steilküsten und die Fahrt selbst ist einfach wunderschön, weil die Küste recht abwechslungsreich ist. In Sa Ràpita hatten wir dann noch ausreichend Zeit, ausgiebig am Strand Es Trenc ein Sonnenbad zu nehmen und in das über weite Strecken sehr flache Meer zu tauchen. Abends ging es wieder in das uns bereits bekannte Restaurante, wo ich endlich meine leckere Paella bekam. Man sollte wissen, Paella bekommt man nur ab 2 Personen.

Palma – ein Erlebnis für alle Sinne

Am Donnerstag nahmen wir Kurs auf Palma, denn am nächsten Tag sollte die Prüfung für die beiden SKS-Anwärter stattfinden. Das Wetter verhielt sich etwas bedeckt, Wind war erstmal nicht zu spüren und sehr viel gab es davon auch den ganzen Tag über nicht. Doch immerhin ließ es sich etwas segeln und die Manöver wurden nochmals wiederholt. Mit der Zeit brach aber auch hier wieder die Sonne durch und wir segelten bei schönstem Sonnenschein in Richtung Palma.

Palma in Sicht

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Eindrucksvoll war die Fahrt auf Palma zu. Die Kathedrale und die Stadt bieten vom Meer her ein wunderbares Bild. Wir bekamen dank der guten Beziehungen unseres Skippers einen schönen Liegeplatz im Königlichen Yachthafen von Palma, dem Real Club Nautico. Wie er uns erzählte, gibt es hier keine Möwen, die sonst häufig die Bootsdecks arg beschmutzen. Jeden Tag geht ein Falkner mit seinem Falken alle Stege ab und hält so die Möwen fern. Wir haben den jungen Mann am nächsten Tag auch selbst gesehen. Ferner patrouillieren täglich Männer mit Käschern und holen Schmutz und Plastiktüten aus dem Hafenbecken.

Lagen schon in Cala d’Or exklusive Yachten, so wurde das hier noch um einiges überboten. Unglaublich schöne Boote waren hier zu bestaunen, dazu aber auch riesige Containerschiffe und die großen Kreuzfahrtpötte auf der anderen Seite.

Just an diesem Abend war in Palma die Nacht der offenen Museen und wir hatten einen wunderbaren Abend. Zunächst besuchten wir das Museum für moderne Kunst, in der gerade eine Joan-Miró-Ausstellung war. Überhaupt bestach dieses Museum durch seine Architektur, die alt und neu auf treffliche Weise miteinander verband. Die Quirligkeit der Stadt beeindruckte genauso wie die stilvoll gekleideten Menschen. Es war umwerfend. Alle Straßen waren pures Leben, überall Musik, zu der ein Crewmitglied mit mir tanzte. Alle Galerien und Geschäfte waren bis spät in die Nacht geöffnet. So konnte man auch einen Einblick in die Innenhöfe und den Häusern gewinnen. Wir waren alle nur noch begeistert und euphorisch.

Unser Skipper führte uns dann zu einem Tapas-Restaurant, wo wir reichlich Tapas aßen und anschließend zeigte er uns noch Teile der Altstadt mit seiner legendären Cocktailbar Abaco  im historischen Ambiente. Abschließend gingen wir noch in eine Bar an der Marina. Hier ließ es sich trefflich sitzen, quatschen und Leute beobachten. Alles in allem ein wunderbarer Abend, der in uns allen die Liebe zu Palma entfachte. In dieser Nacht musste ich mich auf den Schiffsbug setzen, so wie ich es früher unzählige Male gemacht habe und genoss einfach nur den Nachthimmel, die Stille und das Wasser unter mir.

Am nächsten Morgen entfiel das gemeinsame Frühstück, da die beiden Prüflinge schon früh auf ein anderes Schiff mussten. Vom Skipper empfohlen ging ich mit einem Crewmitglied in den Stadtteil Santa Catalina zur Markthalle. Ich liebe Märkte über alles, sie sind für mich das Leben und spiegeln die Ess-Gewohnheiten der Bevölkerung wieder. Auch hier bot diese Markthalle einen Rausch in Farben und Köstlichkeiten aller Arten. Außerhalb des Marktes gibt es rundum kleine Cafes. Wir gingen in das La Madeleine de Proust. Das Angebot machte die Essensentscheidung schwer – köstlich belegte Baguettes oder hübsche kleine Törtchen? Mmmh, am besten beides … Alles war von ausgesuchter Qualität und hatte ein entzückendes Ambiente.

Es kamen dann noch die restlichen Crewmitglieder zu uns und wir gingen weiter in die Altstadt. Die engen Gassen, die alten Häuser, tausend wunderbare Düfte, attraktive Geschäfte, breite moderne Straßenzüge und dann wieder die alten Mauern der Kathedrale La Seu mit einem sagenhaften Blick auf die Bucht und den Hafen von Palma – wer soll sich nicht in diese Stadt verlieben?

Zurückgekommen auf das Boot, erfuhren wir direkt, dass unsere beiden „Kandidaten“ ihre Prüfung bestanden hatten und mit etwas Wehmut im Herzen legten wir kurz danach ab und es ging zurück zu unserem Ausgangspunkt S’Arenal.

RCNP und Kathedrale

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Das gemeinsame Abendessen war nun wirklich der krönende Abschluss. Der Skipper hatte bereits eine Woche zuvor einen Tisch bestellt im Las Sirenas. Hier muss bestellt werden, sonst hat man wenig Chancen einen Tisch zu bekommen. Dies bestätigte mir auch eine Dame, die ich in der Marina kennengelernt hatte. Sie hatte an dem Abend keinen Platz mehr ergattern können. Das Lokal liegt direkt am Ausgang des Clubs Nàutico. Wir hatten einen traumhaften Blick über die ganze Bucht bis Palma. Die Lichter funkelten entlang des Strandes wie eine Diamantenkette. Und unsere Fischplatte war der Hammer. Ich habe so etwas noch nicht gesehen. Gut sie war für 5 Personen, die restlichen hatten sich etwas anderes bestellt, aber so reichhaltig und diese wunderbaren Meeresfrüchte … es war gigantisch. Kann ich nur jedem sehr empfehlen.

Ein letztes Mal hab ich noch den Bug aufgesucht und mich schon langsam, etwas melancholisch, von dieser wunderschönen Woche verabschiedet. Am nächsten Tag hieß es, um 10 Uhr auschecken. Nach dem Auschecken genoss ich den Nachmittag noch im Swimmingpool der Marina und fuhr dann mit dem Taxi nach Palma zu meinem Hotel.

Fazit:

Es ist nicht so, dass jeder Spanier oder Mallorquiner deutsch spricht. Ich kam aber sehr gut durch mit meinen Italienisch-Kenntnissen, englisch, deutsch und ein paar dazugelernten spanischen Brocken, wie z. B. guapo=schön. Außerdem hat man Arme und Gesicht und – ganz wichtig – ein Lächeln in demselbigen.

Mallorca hat leider immer noch den Ballermann-Ruf, wir haben davon herzlich wenig mitbekommen. Es gibt wunderschöne Orte, tolles Essen und eine abwechslungsreiche schöne Landschaft. Eine Insel zum Wohlfühlen und Bleiben.

Die Liegeplatzgebühren in Mallorca sind gepfeffert. Kaum ein Liegeplatz unter 100 Euro pro Nacht. In S’Arenal kostet die Nacht sogar 125 Euro. Merkwürdigerweise waren die Gebühren im Königlichen Yachthafen in Palma noch am geringsten, nämlich gerade mal etwas über 70 Euro.

Ansonsten alles sehr gepflegt und sauber – das Meer, die Marinas und die Anlagen. Die Weine waren soweit ich hören konnte allesamt sehr gut und das Bier kam bei der Crew auch gut an. Ich habe den spanischen Americano sehr genossen – ein Tipp vom Skipper.

In dieser einen Woche haben sich 8 Menschen getroffen, je zwei davon kannten sich, ansonsten war es ein Risiko. Doch diese Truppe von unterschiedlichen Charakteren hat sich wunderbar miteinander arrangiert. Wir haben unglaublich viel geredet, viel gelacht, hervorragend gespeist und eine tolle Woche miteinander erlebt. Ich würde mit dieser Crew jederzeit wieder eine Woche zusammenfahren.

Der Skipper war ein erfahrener Mann, dem ich voll und ganz vertraut habe. Er weiß, wovon er spricht und er kennt sein Metier. Er war kurz, direkt und hatte aber auch eine tüchtige Portion trockenen dortmunder Humor. Und wir alle haben viel von ihm gelernt.

Wie heißt es so schön, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und für mich war diese Woche ein absoluter Gewinn und eine gute Auffrischung meiner Segelkenntnisse. Und ganz sicher lasse ich so eine lange Zeitspanne nicht mehr zwischen diesem und dem nächsten Segeltörn verstreichen …



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