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Holt dicht die Schoten zum Amwindkurs

Segeltoern um Mallorca's Kueste

©Beatrice Fischer-Stracke – Segel gesetzt

Nein, das ist kein Ausdruck geistiger Verwirrung. Diese oder ähnliche Befehle hörten oder sagten wildfremde Menschen in der 3. Septemberwoche 2014 zueinander. Und die Befehle wurden auch umgesetzt, mal gut und mal weniger gut. Manche von euch wissen sicher schon, dass wir uns hier in der Seglersprache bewegen.

Eine Segelwoche an Mallorca’s südöstlicher Küste

Teil 1

Mehr als 20 Jahre war ich auf keinem Segelboot mehr. Doch die Sehnsucht danach spürte ich immer wieder in mir. Spontan entschloss ich mich deshalb, meinen Urlaub endlich mal wieder auf dem Wasser zu verbringen und buchte einen Segelurlaub. Aktiv segeln  nannte sich das Angebot von Kaya Lodge und ich suchte mir Mallorca aus. Diese Insel kannte ich bisher überhaupt nicht und so buchte ich im Anschluss an den Segeltörn noch einige Nächte in einem Hotel in Palma. Dazu mehr in einem nächsten Bericht.

Die Buchung eines solchen Urlaubs birgt ja gewisse Risiken in sich. Nicht nur, dass man nicht weiß, wie man sich nach solch langer Zeit der Segelenthaltsamkeit selber anstellen wird, es kommen viele andere Unbekannte dazu. Wer sind die Mitsegler, welchen Stand haben die? Wie viele sind es, sind auch Frauen dabei? Mit wem schlafe ich in einer Koje? Kommt man überhaupt miteinander aus? Und zu guter Letzt, wie ist der Skipper? Kennt er sein Metier wirklich oder ist es mehr Dampf und heiße Luft, die da herauskommt? Ist er vielleicht nur selbstverliebt oder machthungrig?

Ein Gedanke bestärkte mich aber, diesen Urlaub zu realisieren. Selbst wenn es grundverschiedene Charaktere sind, die eine Zeit auf engerem Raum miteinander verbringen, eines haben alle gemeinsam. Das ist die Liebe zum Segeln und zum Wasser.

Nun, im Vorfeld hatte ich mich schon vergewissert, dass ich nicht mit einem wildfremden Mann die Koje teilen muss. Eine Mitarbeiterin von Kaya Lodge teilte mir mit, dass sie generell nicht Mann und Frau zusammenlegen, die sich nicht kennen. Zum Zeitpunkt meiner Anfrage waren die Belegung ein Ehepaar und vier Männer plus Skipper. So blieb es auch und ich hatte das Glück, meine kleine Koje für mich zu haben. Das war auch gut so, denn da ich noch länger auf der Insel blieb und man ja auch Handtücher fürs Schiff mitnehmen sollte, war mein Gepäck nicht nur aufs Minimum beschränkt.

Endlich mal wieder Reisefieber. Dieses Kribbeln im Bauch… Einige Jahre war ich nun nicht mehr länger unterwegs, umso schöner dieses Gefühl. Erwartungsvoll bestieg ich die Air Berlin und Mallorca empfing mich mit mindestens 30° und strahlendem Sonnenschein.

Auf der Internetseite ist allerdings beschrieben, dass der Törn vom Yachthafen in Palma ausgeht. Dies entsprach jedoch nicht den Tatsachen. Ausgangspunkt war S’Arenal, ein Ort und dessen Marina auf der anderen Seite der großen Bucht, ca. 20 km von Palma entfernt. Die Reisepapiere, die einige Tage vor Abreise kamen, beschrieben dies aber richtig.

Erstes Kennenlernen und die Sorge um Leib und Leben der Crew

Ich fuhr also mit dem Bus nach S`Arenal, wo die Roxanna, eine Bavaria 49 liegen sollte. Der Club Náutico El Arenal ist ziemlich weitläufig. Ein Anruf beim Skipper ließ mich den Liegeplatz rasch finden und mein Gepäck dort deponieren.

Hafeneinfahrt von S'Arenal

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Um 17 Uhr war dann Treffen an Bord angesagt.

Natürlich stieg die Spannung, mit wem man die Segelwoche verbringt. Der Skipper zumindest machte schon mal einen sympathischen Eindruck, was ja auch nicht ganz unwichtig ist. Bei meiner Rückkehr zum Schiff befanden sich dann schon ein Ehepaar aus Hamburg und ein Teilnehmer aus dem Westerwald. Zwei Männer aus dem Kölner Raum wurden zum späten Abend erwartet und ein letztes Crewmitglied war für den nächsten Morgen angekündigt.

Die nötigsten Dinge wurden schon mal erklärt und mir wurde die gemeinsame Bordkasse anvertraut. Dann machten wir vier Anwesenden uns auf, die Essens-Verpflegung und die Getränke einzukaufen. Der Einkauf machte schon viel Spaß und ließ die kulinarischen Vorlieben der einzelnen Personen durchblicken. Außerdem sollte ja keiner verhungern und schon gar nicht verdursten. Auch die Vorlieben des Skippers – Cola, Schokolade und Knabberzeug – wurden berücksichtigt. Die Wartezeit auf das Taxi, das uns und unsere erworbenen Schätze zur Roxanna bringen sollte, verbrachten wir dann vor einem Kiosk mit dem ersten spanischen Bierchen.

Am Abend trudelten die beiden Männer ein. Es stellte sich heraus, dass die beiden Freunde hier den SKS-Schein  machen wollten. Die Kojen wurden nun verteilt und da ich allein war, bekam ich die kleinste. Der Einkauf wurde verstaut und wie sich am Ende des Törns herausstellte, hatten wir viel zu viel eingekauft, vor allem an Bier.

Wir gingen gemeinsam Essen in das nahegelegene Restaurant El Puerto. Meine Tintenfische waren sehr gut und auch die anderen Crew-Mitglieder waren mit dem Essen zufrieden. Dabei entstanden erste launige Gespräche, die die Vermutung nahelegten, dass dies ein sehr vergnüglicher Törn werden konnte. Jeder von uns kam aus einem völlig anderen Berufsumfeld und hatte eine individuelle Persönlichkeit. Doch das war auch das Interessante dabei. Und festzustellen war, dass wir uns im Laufe der Woche immer besser vestanden und zusammenwuchsen. Wichtig finde ich immer, dass eine gute Portion Humor die Mannschaft durchweht. So war es denn auch bei uns …

Die Roxanna - unser Segelboot

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Die Marina machte einen wirklich guten Eindruck. Die Duschen und Toiletten waren sauber, es ist auch ein Waschmaschinenraum mit 2 Waschmaschinen, einem Trockner und ein Handwaschbecken vorhanden. Angrenzend ans Marina-Restaurant ist ein großer Swimmingpool mit ausreichend Liegen vorhanden. Direkt an die Marina in Richtung Palma durch Drahtzäune getrennt, schließt sich ein langer feinsandiger Strand an. Ein Stück westlich der Marina ist dann der berühmte Ballermann.

Wacklige Schritte in vergessenes Segler-Latein

Am nächsten Morgen frühstückten wir– wie auch in den kommenden Tagen zusammen im Salon an Bord. Dabei ging es wirklich immer sehr lustig zu. Der Skipper bevorzugte dagegen ein einsames kleines Frühstück in der Plicht, wo er in Ruhe die neuesten Mallorca-Nachrichten lesen konnte.

Aber nun begann der Ernst des Bootlebens. In der Zwischenzeit war auch das letzte Mitglied eingetroffen und unser Skipper erklärte, wie wir die die Rettungswesten anlegen sollen, das Funkgerät und die Leuchtpistolen im Notfall zu bedienen seien und – ganz wichtig – keiner sich seinem Kartentisch näher als bis auf 10 cm nähern darf. Und dass es bei Todesstrafe oder Kielholen verboten sei, etwa Sonnenmilch oder ähnliches darauf zu deponieren.

Dann kam eine Einführung, wie der Motor angelassen und ausgeschaltet wird, welche Leinen wohin führen, wo die Fender gelagert sind u.v.m.

Ich persönlich war etwas nervös, weil ich überhaupt keine Zeit hatte, mich im Vorfeld etwas darauf vorzubereiten. Nicht mal einen Knoten hatte ich mir in Erinnerung gerufen. Ich packte sozusagen nach der letzten Unterrichtsstunde meine Koffer, fiel ins Bett und am nächsten Tag ins Flugzeug nach Mallorca.

Vorausschicken möchte ich, dass ich in meiner aktiven Seglerzeit wirklich gut war. Ich habe die verschiedenen Bootsführerscheine sowie den Pyro-Sachkunde-Kurs gemacht und das große Funkzeugnis bekommen. Nach meinem bestandenen BR-Schein (heute heißt er SKS-Schein) engagierte mich die Segelschule auf der Insel Krk sofort für 2 Wochen als Lehrerin für Optimisten. Ich hatte 10 Kinder unter meiner Obhut, denen ich auf den kleinen Segeljollen, die man Optimisten nennt, mit viel Erfolg das Segeln beibrachte. Ich nahm ein Skippertraining auf Elba bei dem damals fast schon legendären und inzwischen verstorbenen Baffo, einem deutschen Skipper, der die Segelschule Procchio gründete. Daraufhin engagierte er mich sofort als Skipperin, was ich in den Theaterferien gut machen konnte. Dort hatte ich u.a. auch 4 Leute unter meiner Obhut, die ich erfolgreich zur BR-Prüfung führte.

Doch wie überall und in allen Dingen: Nur Übung macht den Meister und stetiges Training. Tjaaa und nun über 20 Jahre später hatte ich doch sehr viel vergessen. Doch nach 2-3 Tagen war alles eigentlich wieder in Erinnerung gebracht. Zu Anfang machte ich Fehler und hier muss ich doch sagen, dass Männer schnell dazu neigen, wenn eine Frau Fehler macht, ihr sofort die Leinen aus der Hand zu reißen. Man ärgert sich ja eh schon genug über die eigene Unzulänglichkeit. Wenn Männer Fehler machen, was auch vorkommen soll ;), geht man untereinander sehr viel nachsichtiger um. Richtig, wenn der Skipper hier dann mal ein Veto einlegt und klarmacht, dass er die Anweisungen gibt und sonst niemand.

Leinen los und auf ins Abenteuer Mallorca

Unser erster Anlaufpunkt war Sa Ràpita. Wir hatten nicht unbedingt günstigen Wind, aber wir konnten sehr schön kreuzen und für die beiden Prüflinge war es ideal, um ihre Manöver zu üben. Die Crew war unterschiedlich besetzt. Manche hatte überhaupt noch keine Erfahrung mit einem Segelboot gemacht, aber durch die Einführung durch den Skipper und ständiges Üben fügte sich jeder schnell ein und lernte ständig dazu. Nach diesem und jedem weiteren Anlegemanöver gab es wie üblich einen Anlegeschluck.

Auch Ràpita war eine recht große Marina mit anschließendem wunderbaren Strand. Wie mir der Skipper sagte, gehört Es Trenc wohl zu den schönsten und beliebtesten Stränden Mallorcas. Hinter dem feinen Sandstrich ist Naturschutzgebiet, deshalb kommt man nicht ganz so einfach an den Strand. Dahinter liegt ein Parkplatz und seine Gebühren sind wohl nicht ganz günstig, so dass er zwar gut besucht war, aber nicht heillos überlaufen. Zudem ist ein Teil dieses Traumstrandes auch für FKK-Anhänger bestimmt.

Und hier wie in allen Marinas, die wir besucht haben, gab es saubere und gut gepflegte Duschgelegenheiten und WC’s. Überhaupt ist mir im Gegensatz zu italienischen Gewässern aufgefallen, dass in mallorquinischen Gebieten das Meer nahezu frei von Müll oder Plastiktüten war. Sehr sauber und eine Freude, darin zu schwimmen.

Das Abendessen nahmen wir dann im Restaurante Club Nautico Sa Rápita  ein. Hier waren wir auch bei der Rückfahrt noch einmal. Gutes Essen – empfehlenswert ist hier Paella, gegrillter Tintenfisch, Dorade nach mall. Art oder Schweinfilet – und Bedienung ein bisschen nach Laune, aber generell freundlich. Allgemein gilt, ein Lächeln und ein bisschen spanisch (zumindest por favor und gracias) helfen immer, um einen guten Kontakt herzustellen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Porto Petro. Zuvor ankerten wir aber in der Mondragó-Bucht. Das war einfach ein Traum. Sonne und glasklares Wasser machten hier das Baden perfekt. Mallorca hat viele Höhlen aufzuweisen. Auch hier waren Eingänge, in die man schwimmen und schnorcheln konnte. Auf den Steilfelsen darüber versammelten sich einige, um einen Sprung von den Felsen zu wagen. An anderer Stelle hangelte man sich über Vorsprünge wieder hinauf. Ein idealer Ort, um unbeschwerte Sonnentage zu genießen. Störend waren hier wie anderswo einfach die Besucherschiffe, die reinbrettern, eine Runde drehen und dann wieder, Geschaukel verursachend, die Bucht verlassen.

Hervorragender fruchtiger Sangria in La Caracola in Porto Petro

© 2014 Beatrice Fischer-Stracke

Porto Petro ist einfach ein bezaubernder Ort, nicht verschandelt von Bettenburgen, sondern ein kleiner gewachsener Fischerhafen. Die weitläufige Bucht vor dem Hafen bietet Bojen zum Festmachen, doch wir hatten das Glück, direkt an der Stadt-Hafenmauer liegen zu können. Hier wäre ich gern mal drei Nächte gelegen, sehr malerisch und wunderhübsch. Auf Empfehlung unseres Skippers gingen wir abends ins La Caracola. Eigentlich hatte ich keinen großen Hunger und bestellte mir gefüllte Tintenfischtuben. So, wie ich sie kannte, sind das kleine Tuben, die mit einer leckeren Füllung versehen sind. Dieser gefüllte Tintenfisch war jedoch eine Portion für einen ausgehungerten Seebären mit einer wunderbaren Sauce und dazu noch Gemüse. Es war wirklich alles köstlich, aber einfach zu viel. Seeeeehr empfehlenswert ist hier Sangria. Es war der beste in den Tagen, sehr fruchtig, weinig und nicht zu süß.

Weiter geht’s zu Teil 2  – Mallorca’s Küste hat noch andere schöne Orte.



1 Kommentar

1 Schmirler { 9. Oktober 2014 um 11:42 Uhr}

Wenn einer eine Reise tut, da kann er was erzählen. Diese geflügelte
Aussage fällt mir spontan zu diesem Bericht ein. Man könnte noch
gerne weiterlesen, weil man gleich alles miterlebt, bei dieser
lebendigen Beschreibung. Sehr schön.

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